Palast der Provinz

flackert auf und sagt zum Abschied leise Servus

Eine Hommage

Logo

Verabschiedungsaktion "Palast der Provinz" 5. Mai 2008

25.05.2009

200 ehemals Beschäftigte und Gäste erschienen zur Verabschiedungsaktion „Palast der Provinz – eine Hommage” am 5. Mai 2008…

Viele waren in den Wochen zuvor Gäste im temporären Filmstudio, welches Filmemacher Henry Mertens und Designerin Nicolle Albrecht im Erdgeschoss des Gebäudes eingerichtet hatten. Dort berichteten die Besucher in ausführlichen Interviews über ihre Erinnerungen an das Gebäudegeführt und aus der Zeit ihrer Arbeit darin.

Daraus entstanden war ein Interviewfilm, der nach der Eröffnung durch den Bürgermeister Karl Gröger im Ausstellungsbereich gezeigt wurde. Dort waren auch die vielen Mitbringsel zu besichtigen wie Brigadetagebücher, Broschüren, Wimpel, Fotos und vieles mehr. Die Ausstellungsmacher hatten diese liebevoll in Vitrinen arrangiert.

Anschließend gab es eine inszenierte Führung ins Innere des Gebäudes. Markus Seidensticker, Schauspieler am Anhaltischen Theater, war mit einer sichtbaren, roten Armbinde ausgestattet, setzte sich an die Spitze des Zuges. Im Treppenaufgang, Flur und in den ehemaligen Büroräumen unterbrach er jeweils die Führung und las Auszüge aus einem Briefwechsel zwischen Brigitte Reimann (DDR-Autorin der 60er Jahre) und Prof. Hermann Henselmann (bedeutender DDR Architekt).

Der erste Text von Brigitte Reimann war überschrieben mit: „Darf man in Hoyerswerda küssen“ und bezog sich auf die neue Lebenssituation der Bewohner der Neubaustadt mit Magistralen und Einheitsmaßstab. Der Text erschien 1967 als Artikel in der Lausitzer Zeitung und löste eine kontroverse Debatte aus. Der zweite Text aus dem Band war ein Auszug aus einer Rede Prof. Hermann Henselmann vor dem Plenum des Zentralkommites der DDR 1967, die sich auf die neuen Aufgabenstellung des industriellen Wohnungsbaus in der DDR und die daran geknüpften neuen Aufgaben für Architekten bezog. In dieser Rede wurde die ideologische Weichenstellung des DDR-Wohnungsbauprogramms erkennbar und unterstrich die Vereinheitlichung des Bauens in der DDR. Henselmann, dessen Büro die Stalinallee in Berlin projektiert hatte, schwor in der Rede der individualisierten, bürgerlichen Archtitektur ab, was er in einem Interview in den 1990er Jahren als Eigenlüge entlarvte.

Der „Gang“ führte bis ins 5. OG, wo aus jeweils vorbereiteten Büroräumen der Blick auf die Gebäudeumgebung genossen werden konnte. Die Fassade des Gebäudes wurde bereits 1 Woche vorher illuminiert. Das Konzept dazu entwickelte Andreas Greiner. Am Abend des 5. Mai erstrahlte sie ein letztes Mal mit dem Schriftzug „ENDE”.

Die zahlreichen Besucher der Verabschiedungsaktion „Palast der Provinz – ein Hommage” belegen das große Interesse am Stadtumbau in Dessau-Roßlau. Sie zeugen auch vom Bedürfnis des Sich-Erinnerns und Bewahrens dieser Erinnerungen bei Gebäudeabrissen dieser Art.

Büro henrymertens.com
Ferdinand-von-Schill-Straße 5
06844 Dessau-Roßlau
Telefon: 0340 2508899
Mail: info@henrymertens.com